Wahlboykott - Gerechtfertigt oder nicht?

Von Phillip - 14. Sep 17, 19:50 - #politik #btw2017 #afd


Seit Jahren rufen einige Gruppen zum Wahlboykott auf, so auch dieses Jahr zur Bundestagswahl wieder. Zum Beispiel der Jugendwiderstand und das Rote Frauenkomitee, aber auch ernstzunehmende Gruppen wie Ums Ganze taten dies schon in der Vergangenheit.

Die Begründungen dafür sind simpel, diese Gruppen wollen das System an sich ändern und lehnen auch die Wahlen dieses Systems deswegen ab. Als häufige Kritik wird zum Beispiel die Praxis des “geringsten Übels” genannt, also dass selbst die Parteien des linken Spektrums nicht links genug sind und praktisch genauso wenig verändern wie Konservative oder Liberale.
Mit dem kompletten Wahlboykott wollen Sie Ihre Unzufriedenheit mit dem System ausdrücken und hoffen dass auf lange Sicht gesehen dies genug Menschen tun um die Lüge die diese Wahlen darstellen aufzuzeigen.

Mit den Gründen kann man an sich übereinstimmen. Oft wenn man mit bürgerlichen Kommiliton*innen und Freund*innen redet fallen Sätze wie “Eigentlich sind ja alle Parteien Scheiße” oder “Partei XYZ ist nicht toll, aber immernoch besser als die AfD”. Die Herrschaft des “geringsten Übels” ist also durchaus real und wird sogar von Liberalen und Zentristen als diese erkannt.
Auch andere Parteien sind keine Alternative, die SPD nähert sich immer mehr an die CDU an, wie zuletzt das TV-Duell zeigte und auch Die Linke scheint dem AfD Problem eher noch zu helfen, als dagegen anzugehen.

Während die Gründe also ernstzunehmen sind, ist die Lösung nicht gerade optimal. Aktuell erfahren wir eine starke Verschiebung nach rechts im politischen Diskurs, zum Beispiel befindet sich im Wahl-O-Mat dieses Jahr eine These zur Erinnerungskultur um den Völkermord der europäischen Juden, etwas was eigentlich selbstverständlich ist und garnicht zur Diskussion offen stehen sollte.
Auch seit den Krawallen rund um den G20 Gipfel hat der Kampf gegen den “Linksextremismus” begonnen, wie das Verbot von linksunten.indymedia zeigte, als auch der Einsatz des SEKs beim Gipfel und einer Antifa-Demo in Wurzen.

Während manche also von der Traumwelt ohne Kapitalismus träumen, gewinnt die AfD und mit Ihr der Faschismus immer mehr an Raum, sowohl im Alltag und in den Medien, als auch bald eventuell im Bundestag.
Der Großteil der Menschen sieht das jetzige System immer noch als richtig an. Ein Wahlboykott ist auf lange Sicht eventuell eine richtige Entscheidung, jedoch sichert er aktuell nur der AfD Sitze im Bundestag. Wir befinden uns schlicht und einfach nicht in der richtigen politischen Lage um abstrakte Systemkritik zu üben, aktuell heißt es den Faschismus zurückzudrängen und den politischen Diskurs wieder nach links zu verlagern.

Was also tun? So weh es tut, aktuell ist es wichtig am kapitalistischen System teilzunehmen und entweder das “geringere Übel” zu wählen oder seine Stimme ungültig zu machen. Zumindest werde ich das tun.
[Anmerkung: Ungültige Stimmen werden nicht gezählt, also muss das "geringere Übel" gewählt werden]

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