Wir tanzen immer nur allein

Von Adolfina Fuck - 21. Aug 18, 19:36 - #soliparty #clubculture #antifa #techno


Ein Gastbeitrag von Adolfina Fuck

...was mir am Samstag so durch den Kopf ging:

Während wir am Samstag damit beschäftigt waren die Party im Kulturhaus Kili vorzubereiten sind mehr oder weniger um die Ecke einige Menschen auf der Straße durch Berlin marschiert. Vordergründig, um ihr Gedenken an Rudolf Hess - hintergründig, um ihre rechte Gesinnung zum Ausdruck zu bringen. Wie auch immer diese Gesinnung im Detail aussehen mag: ich gehe davon aus, dass alle diese Leute Menschen wie mich im 'besten' Fall für nicht existent halten. Und im schlechtesten Fall dafür sorgen möchten, dass Menschen wie ich bald nicht mehr existent sind.

Später in der Nacht gab es dann Menschen in ganz unterschiedlichen Zuständen. Die einen konnten nicht mehr laufen, weil sie beim unserem Antisemantic Sport Rave so viele Bahnen gezogen haben dass sie davon einfach n bisschen müde waren. Die anderen konnten nicht mehr laufen, weil sie zusammen mit ihren Genoss*innen stundenlang versucht haben, sich den rechten Demonstrant*innen in den Weg zu stellen. Da sich das in Anbetracht des Polizeischutzes aber leider als sehr schwer herausgestellt hat konnten sie nicht mehr zu unserer Party kommen. Eben, weil sie nicht mehr laufen konnten. (Mehr dazu)

Ich finde, das darf nachdenklich machen. Auf der einen Seite: für mich ist es legitim tanzen und feiern zu gehen. Auch an so einem Abend. Auch mit ohne Demo vorher. In meinen Augen hat Musik und Kunst eine generelle Berechtigung und einen bedingungslosen Wert, der nichts mit Politik, nichts mit Wirtschaft oder sonst irgendetwas zu tun. Ich finde auch Eskapismus oder den Wunsch die Realität mal von der anderen Seite anzugucken: legitim.

Trotzdem ist ein Rave aber auch eine Veranstaltung, bei der Menschen zusammentreffen und ihr Miteinander anders gestalten können, als sonst so üblich. Und: eine Veranstaltung kann für etwas stehen. Ein Rave muss nicht - aber er KANN auch eine Demonstration sein. So wie irgendwie ja dann doch am 27.5.18. Banaleres Beispiel: es ist mir selten so angenehm langweilig dabei im Minirock rumzuspringen, wie in einer guten Berliner Clubnacht.

Vielleicht bin ich ja paranoid oder einfach doch noch im hohen Alter verrückt geworden, kann ich ja alles nicht wissen - aber ich hab echt das Gefühl, dass wir in diesen Zeiten besser ein „müssen“ aus dem „können“ machen sollten. Klar, es hat sicher auch mit meiner Wahrnehmung und meinem Alter zu tun, aber irgendwie ist die Lage in vielerlei Hinsicht dann insgesamt doch etwas ernster geworden, als in den 80ern und 90ern. Oder? Mir kommt's jedenfalls so vor.

Also. Tanzen: ja. Eskapismus hin und wieder? Geht in Ordnung. Musik und Kunst? Unbedingt. Aber lasst uns doch wenigstens das Minimum mitnehmen und unsere Veranstaltungen als Statements für ein gleichberechtigtes, tolerantes und faireres Miteinander begreifen. Und lasst uns dieses Statement dann doch auch irgendwo hinschreiben, wo es alle mitkriegen. Oder, seitens der Menschen, die die Musik beisteuern: lasst uns dieses Statement in unsere Sets einbauen. Gerne auf tausendundeine verschiedene Arten - aber bitte EXPLIZIT. Und lasst uns diese Haltung spürbar machen, indem wir uns tatsächlich selbst danach verhalten. Lasst uns dafür Sorgen, dass Techno eine Haltung - und Tanzen ein Statement ist. Ich glaube wir sollten das. Wenigstens das.

Nächste Gelegenheit: Donnerstag. Da feiert genau die Gruppe ihren Geburtstag, die eigentlich zur Party kommen wollte und schlichtweg nicht mehr kommen konnte:

FROM THE DEPTHS: COMMUNISM - SOLIPARTY

Für mein Set am Donnerstag gilt hiermit jedenfalls:

WER MEINE MUSIK HÖRT ODER DAZU TANZT ODER EINFACH NUR IM RAUM IST BEKENNT SICH DADURCH AB SOFORT UNWEIGERLICH DAZU SO GUT ES DENN IRGENDWIE GEHT ABER WIRKLICH MAL ERNSTHAFT ---- FÜR MENSCHENRECHTE, GEGEN HOMO- UND TRANS*PHOBIE, RASSISMUS, ABLEISMUS UND JEDE ANDERE ART DER DISKRIMINIERUNG ODER XENOPHOBIE EINZUSTEHEN. WER DAMIT NICHT EINVERSTANDEN IST - SOLL BITTE GEHEN. BZW GAR NICHT ERST KOMMEN. HALLO TSCHÜSS.

Jajajajajaja. Ich weiß. Das ist jetzt noch keine Held*innentat. Erst recht nicht in einem Laden wie dem Mensch Meier. Aber es zumindest mal ein Anfang. Irgendwo müssen wir doch anfangen. Ich werde das auch vor Ort noch mal deutlich machen.

Sowas ging mir am Samstag unter anderem durch den Kopf.

Es berührt mich ehrlich, wenn Menschen für andere Menschen wie mich den Kopf hinhalten, sich mit Verlaub den Arsch aufreißen und sich einer solchen rechten 'Demonstration' in den Weg stellen. Das ist nicht nix. Echt jetzt.

Eure
Adolfina

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