Nein, wir sind kein Lifestyle-Blog

Von Anna - 04. Jan 18, 18:47 - #veganismus #umwelt #kapitalismus


Der Wecker klingelt, einen Schluck Milch für den Latte Macchiato to go und dann ab ins Auto zur Arbeit. Dort wird dann natürlich acht oder neun Stunden geschuftet, danach geht es zum Biomarkt für den Wocheneinkauf oder zum Feierabendbierchen mit Döner. Das Leben könnte so schön sein!
Leider ist diese plakative Lebensweise etwas kurz gedacht. Und, auch wenn ich jetzt damit einigen den Spaß verderbe, nicht nachhaltig oder im Sinne der politischen Arbeit. Der Leser mag mich vielleicht als linksversifften Gutmenschen (Unwort des Jahres 2015!) abtun. Aber bitte, lieber Leser, nimm dir einen Moment Zeit für mich und ließ weiter.

Fast jedem, nicht nur mir bei Black Pond Antifa, sind Vor- und Nachteile unseres kapitalistischen Systems bekannt. Natürlich können wir als Konsumenten eine große Anzahl an Gütern kaufen, genießen und wegschmeißen. Eine schöne Sache. Nur verbraucht dieser Konsum eine große Menge an Ressourcen. Der Bericht des Umweltbundesamtes „Die Nutzung natürlicher Ressourcen – Bericht für Deutschland 2016“ beziffert den Rohstoffkonsum 2010 auf 1.252 Mio. Tonnen. Eine unvorstellbar große Menge an teilweise nicht nachwachsenden Ressourcen. Damit der Leser eine Vorstellung davon hat wie viel das ist, hier ein Beispiel:

In Deutschland leben etwa 82 Millionen Einwohner. Der pro Kopf Rohstoffkonsum für jeden Einzelnen beträgt damit etwa 15,3 Tonnen. Eine große Menge wenn man sie sich jetzt vorstellt als etwa drei 5 Tonnen schwere Elefanten. Für jeden von uns. Jedes Jahr.

„Wirtschaft und Politik lassen sich eh nicht ändern. Das Konsumverhalten des Individuums ist irrelevant.“, könnte jetzt der kleine Mann sagen. Das ist verständlich. Ich verstehe die Frustration über fehlende Änderungen trotz dringender Probleme wie Klimawandel oder Rohstoffkonflikten. Aus zwei Gründen ist es trotzdem wichtig durch eigenes Verhalten nicht übermäßig zum Rohstoffverbrauch beizutragen.
Zum einen legitimiert unser Vorbildverhalten unsere politische Arbeit. Keiner ist dabei perfekt. Ich auch nicht. Aber der ehrliche Versuch nicht übermäßig zur kapitalistischen Maschinerie beizutragen macht unsere Forderungen glaubwürdig und weniger angreifbar. Es ist ein Widerspruch sich jedes Jahr eine neue schwarze North Face Jacke zu holen um sich dann mit Bratwurst in der Hand in die Demo gegen die wirtschaftliche Ausbeutung einzureihen. Daher ist es wichtig das eigene Konsumverhalten zu überdenken bevor man Forderungen an andere stellt.
Zum anderen ist der Einzelbeitrag eben doch nicht so irrelevant. Ja, die Wirtschaft trägt viel mehr zum Verbrauch von Rohstoffen bei. Ja, andere Länder beuten viel radikaler nicht nachhaltige Rohstoffe aus. Aber da die große alles verbessernde Weltrevolution nicht in Sicht ist, müssen wir mit dem arbeiten was uns das System momentan gibt. Das ist zum Beispiel möglich indem wir unsere Kritik durch unser Kaufverhalten bzw. Verweigerungshaltung zum Ausdruck bringen. Je weniger wir als Konsumenten kaufen, desto besser. Mir ist klar, das hat Grenzen. Trotzdem sind eine Menge Sachen möglich:

  • Recycling - nicht nur für Althippies
    Ja, es ist mitunter nervig. Nein, ich schaffe das auch nicht immer. Recycling minimiert den Rohstoffverbrauch und ermöglicht die Weiterverarbeitung. Pro-Level: Gar keinen nicht recyclebaren Müll mehr zu produzieren.

  • Minimalismus – kauf was du brauchst und dich glücklich macht
    Natürlich leben wir in einer Konsumgesellschaft, die uns alle dazu treibt Dinge zu kaufen, die wir über unser Überleben hinaus brauchen. Das ist kaum vermeidbar. Und ein asketisches Leben ist für fast niemanden, einschließlich mir, nicht ansprechend. Als einzelner Konsument kannst du, lieber Leser, jedoch entscheiden was du kaufst und ob du es kaufst. Je weniger Ramsch und Einwegobjekte du erwirbst, desto besser.

  • Teile und Herrsche
    Wie oft brauchst du dein Auto? Wie häufig ließt du ein Buch zweimal? Brauchst du wirklich einen Fernseher? Es gibt tausend Gegenstände, die du nie oder selten benutzt. Schließe dich zusammen mit anderen und teile. Ob mit Freunden in Form von Tauschgruppen wie Black Pond Antifa es tut, Fremden beim foodsharing, der Öffentlichkeit z.B. durch Bibliotheken oder dem ÖPNV, privaten Einrichtungen wie Car-sharing. Je mehr Menschen von einem einzelnen Objekt Gebrauch machen können, desto besser.

  • „Ich esse ja gar nicht so viel Fleisch“ - schon mal an alternative Ernährung gedacht?
    Tiere sind niedlich. Aber nicht für jeden ein Grund Vegetarier oder Veganer zu werden. Eine möglichst tierproduktarme Ernährung ermöglicht es weniger Ressourcen zu verbrauchen. Da eine bewusste Ernährung ohne tierische Produkte möglich ist, kannst auch du dich daran als Flexitariere, Vegetarier oder sogar Veganer probieren.

  • Werde besser als wir
    Ich oder Black Pond Antifa allgemein hat die Wahrheit nicht gepachtet. Wir versuchen jeder für uns unseren Weg zu gehen. Versuch deine eigenen Ideen zu entwickeln wie du möglichst wenig durch Konsum den Ressourcenverbrauch und Kapitalismus unterstützt. Wir sind dankbar für jede konstruktive Idee und Kritik.

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